Unter der Bezeichnung Neue Top-Level-Domains (New gTLD) werden sämtliche generischen Domains zusammengefasst, die ab Frühjahr 2013 schrittweise eingeführt werden sollen. Zu den insgesamt 1.930 eingereichten Bewerbungen zählen beispielsweise .blog, .web, .shop oder .berlin. Die Vergabe der neuen Domains wird durch die Internet-Verwaltung ICANN koordiniert und wurde seit über zehn Jahren diskutiert und vorbereitet.
Inhaltsverzeichnis
Hintergrund der Einführung neuer Top-Level-Domains ist der Umstand, dass immer weniger kurze und damit einprägsame Adressen unter den bestehenden Endungen verfügbar sind. Insbesondere die generischen Domains .com, .net und .org, aber auch ihre länderspezifischen Pendants .de und .cn verzeichnen seit Jahren eine große Nachfrage, sodass sehr viele denkbare Zeichenketten auf zweiter Ebene bereits belegt sind.[1] Aus diesem Grund hat die ICANN bereits vor Jahren die Möglichkeit geschaffen, bestimmte Erweiterungen einzuführen und durch einen sogenannten Sponsor verwalten zu lassen, wie es etwa bei .jobs und .aero der Fall ist. Verteilt auf zwei Runden wurden in den Jahren 2000 und 2004 schrittweise zahlreiche generische Top-Level-Domains eingeführt.
Aufgrund des anhaltenden Interesses der Branche wurde im Juni 2008 beschlossen, die Regeln für neue Domains radikal zu lockern.[2] Praktisch jeder denkbare Begriff, der nicht gegen die Grundsätze der ICANN verstößt oder einer anderen TLD zu ähnlich ist, sollte registriert werden können. Die Lockerung der Vergabekriterien wurde zwar überwiegend positiv aufgenommen, aber auch kritisch gesehen: So gab es zahlreiche Einwände von Experten, die Root-Zone des Domain Name System könnte aufgrund der Vielzahl neuer Domains instabil werden. Allgemein gelten 5.000 Top-Level-Domains als technisch realisierbar, höhere Zahlen als äußerst schwierig.
Nur wenige Monate nach dem Beschluss, neue gesponserte Top-Level-Domains einzuführen, wurden die ersten Initiativen für bestimmte Adressen gegründet - entweder in Form eines Vereins, häufiger aber im Rahmen einer Kapitalgesellschaft. Beispielsweise wurde die dotBERLIN GmbH & Co. KG ins Leben gerufen, um sich für eine eigene Domain der Hauptstadt zu bewerben. Die Bewerbung des Unternehmens wird von der Senatskanzlei offiziell unterstützt, was für die Zulassung durch die ICANN unbedingt notwendig ist.[3] Insgesamt bemühten sich 140 Organisationen schon vor dem offiziellen Start um eine eigene Adresse.
Anträge für neue Top-Level-Domains hat die ICANN offiziell erst ab dem 12. Januar 2012 angenommen.[4] Für jede einzelne Domain, die eingeführt werden sollte, mussten Bewerber eine Gebühr in Höhe von 185.000 US-Dollar entrichten - damit sollten solche Interessenten vom Verfahren abgehalten werden, die den Betrieb einer Domain in der Praxis nicht bewerkstelligen können. Der Betrag ist unabhängig davon, ob die Top-Level-Domain letztendlich gestartet wird oder nicht. Falls die Prüfung tatsächlich positiv ausfällt, müssen Bewerber noch einmal 25.000 Dollar je Domain entrichten.[5]
Eigentlich sollte die Bewerbungsphase genau drei Monate laufen und am 12. April 2012 abgeschlossen werden. Letzterer Zeitpunkt war aufgrund technischer Probleme aber nicht zu halten: Zunächst wurde spekuliert, das Antragssystem TAS (für TLD Application System) käme nicht mit Sonderzeichen zurecht. Später gab die ICANN jedoch bekannt, Bewerber hätten durch eine Lücke möglicherweise die von Konkurrenten eingereichten Unterlagen einsehen können, außerdem wurden Passwörter als bereits vergeben gekennzeichnet. Daher wurde das TAS zeitweise abgeschaltet und die Bewerbungsphase bis zum 20. April 2012 verlängert.[6]
Eigentlich war geplant, die erhaltenen Bewerbungen schrittweise zu veröffentlichen. Aufgrund des großen Interesses an den neuen Top-Level-Domains entschloss sich die ICANN jedoch noch während der Bewerbungsphase, gleichzeitig über sämtliche Anträge zu informieren, um niemanden zu benachteiligen. Am 13. Juni 2012 wurde schließlich eine Liste aller gewünschten Adressen und deren Interessenten ins Netz gestellt.[7] Besonders große Nachfrage verzeichnete nicht � wie zunächst erwartet � die Top-Level-Domain .sex, auf die sich lediglich die Vergabestelle von .xxx beworben hat, sondern .app mit insgesamt 13 Bewerbern. Deutsche Organisationen haben knapp 70 Adressen beantragt, darunter befinden sich auch Top-Level-Domains von prominenten Unternehmen wie der Adidas SE, Linde AG oder Deutsche Post AG.[8] Unangefochtener Spitzenreiter unter den Bewerbern ist Google Inc., das über 100 neue Top-Level-Domains vergeben möchte.[9]
Die überwältigende Nachfrage nach neuen Top-Level-Domains machte bereits während der Bewerbungsphase deutlich, dass die ICANN nicht alle Anträge in einem Schritt prüfen kann. Daher haben sich die Gremien Anfang April 2012 auf ein anderes Verfahren geeinigt: Sämtliche Endungen sollten in mehrere Pakete von je 500 bzw. 400 Domains aufgeteilt werden, die sequenziell abgearbeitet werden. Welche Top-Level-Domain in welchem Paket platziert wird, wollte die ICANN im Rahmen des sogenannten digitalen Bogenschießens (Digital Archery) ermitteln. Dabei müssten Bewerber sich auf einer Website anmelden � und zwar möglichst auf die Sekunde genau zu einem Zeitpunkt, den sie Monate vorher bestimmt haben. Je nachdem, wie groß der Unterschied zwischen geplanter und erreichter Zeit war, wäre eine Endung weiter vorne oder hinten in einem Paket beziehungsweise der gesamten Bewerberliste platziert worden.[10]
Das digitale Bogenschießen wurde öffentlich heftig kritisiert, da die ICANN einzelne Gruppen auch noch regional aufteilt. So wären zum Beispiel alle Bewerber aus Südamerika und Afrika automatisch in der ersten Runde ausgewertet worden, da dort vergleichsweise wenig neue Top-Level-Domains gewünscht wurden.[11] Nachdem das System am 8. Juni 2012 planmäßig gestartet war und eigentlich bis zum Ende des Monats laufen sollte, hat die ICANN es am 23. Juni vorzeitig abgebrochen. Grund dafür war nicht die anhaltende Kritik der Bewerber, sondern ein Softwarefehler bei der Errechnung des Zeitstempels, der für das gesamte Verfahren entscheidend ist.[12]
Die Einführung der neuen Top-Level-Domains verzögert sich in Folge dessen um sechs Monate und wird für das zweite Quartal 2013 erwartet.[13] Allerdings hat man sich dazu verpflichtet, jährlich nie mehr als 1.000 Domains einzuführen, weshalb die neuen Endungen doch noch in Gruppen unterteilt werden müssen. Ein Glücksspiel entscheidet nun über den genauen Startplatz[14](Quelle:Wikipedia.de).
Sie können hier Ihren Namen unter den wichtigsten neuen Top Level Domains
vor-registrieren. Die Vor-Registrierung der Neuen Top Level Domains ist kostenfrei, aber verbindlich. Wenn
wir für Sie den gewünschten Namen unter den Neuen Top Level Domains sichern, müssen Sie die Domaingebühr bezahlen.
Als Domaingebühr haben wir für die neuen TLDs zunächst 60 EURO/Jahr vorgesehen.
Wenn die Kosten der Neue TLDs, z.B. wegen einer teuren Sunrise-Phase, höher sein sollten,
kontaktieren wir Sie, damit Sie Ihre Bewerbung bestätigen oder zurückziehen
können.
|